Ein Traum von Prinzessin! Kolumbianisches Rollenverständnis und Globale Emanzipation!

Lautes Klatschen und Jubelrufe umgeben mich. Meine 5-jährige Tochter hat soeben ihren ersten Schönheitswettbewerb gewonnen. Sie trägt ein rosa Kleidchen und hat ihre blonden Haare mit einer dicken Roten Schleife geschmückt. Ganz elegant und damenhaft bewegt sie sich auf die Jury zu und das ist gar nicht so einfach, denn schliesslich trägt sie bereits ihre ersten Pumps mit ein wenig Absatz. Sie strahlt über das ganze Gesicht und die Jury verkündet, das meine Princessa zukünftig auch im Fernsehen regelmässig moderieren wird. So sei sie doch ein gutes Beispiel einer typischen und hübschen Frau, die anderen Mädchen und Frauen ein gutes Vorbild sein kann. So muss Frau aussehen, dann wird sie von allen geliebt und respektiert. Das ist die Botschaft.

Niña BogotaDicker Nebel umgibt mich und als er sich lichtet sehe ich meine Tochter wieder. Sie ist inzwischen ein paar Jahre älter und hat ihre eigene Familie. Sie putzt und kocht für ihren Mann, der mit einem Freund zur gleichen Zeit Karten spielt und nach einem weiteren Bier verlangt. Ihre Kinder weinen und als sie ihn bittet, mal nach den Kindern zu sehen, antwortet er nur schroff, dass sei nicht seine Aufgabe als Mann. Sie als Mutter solle doch bitte ihrer Verpflichtung nachkommen und sich selbst kümmern.

Schweissgebadet wache ich auf und muss mir erstmal darüber bewusst werden, dass meine beiden Kinder friedlich in ihren Betten schlafen und weder einen Schönheitswettbewerb gewonnen haben noch bald bei einem antreten werden. Mir wird klar, dass mich meine gestrige Begegnung mit einem kolumbianischen Arzt anscheinend sehr aufgewühlt hat und irgendwie vermische ich dies mit meiner erster Begegnung der Miss Bogota, die gerade mal 5 Jahre alt war.
Aufgrund einer Wucherung am Finger meiner Tochter sind mein Mann und ich gestern zu einem Handchirurgen gefahren. Nachdem der Arzt meinen Mann begrüsst hat, reicht er auch mir die Hand. Erst als er meinem Mann die Tür aufhält und ihn bittet auf dem Stuhl in seinem Sprechzimmer Platz zu nehmen, realisiere ich, dass ich hier irgendwie nichts zu melden habe. Mein Mann hingegen ist auch verwirrt und bleibt in der Tür stehen und lässt mich vor ihm durch und bietet mir stattdessen den einzigen Stuhl im Sprechzimmer an. Nun scheint der Arzt etwas verwirrt, richtet jedoch gleich sein Wort und seinen Blick einzig und allein an meinen Mann. Zu blöd, dass meine bessere Hälfte noch nicht soviel Spanisch versteht wie ich und so antworte ich. Der Arzt jedoch würdigt mich keines Blickes und ignoriert mich, nur um das Gespräch weiter an meinen Mann zu richten. ….

Das ich mit meinem Mann in eine Kultur mit patriachalem System gezogen bin, wird mir in diesem Moment erneut sehr bewusst. So ein Verhalten hätte ich in anderen Ländern dieser Erde erwartet, aber irgendwie nicht hier.
Schmunzelnd denke ich zurück an einen Grillabend, zu dem wir eingeladen hatten. Auch kolumbianische Nachbarn kamen zu Besuch. Als sie gerade ankommen und die Männer mit dem Hände schütteln fertig sind, reicht mir der Kolumbianer die Hand und ich lehne mit einem Grinsen ab und sage: „Zuerst die Frau!“ und reiche seiner Frau die Hand. Erst als sie zögert und ihren Mann stumm mit einem verwirrten Blick um Erlaubnis bittet, dämmert mir, dass ich wohl irgendwie in ein Fettnäpfchen getreten bin. Doch ihr Mann ist weit gereist und hat viele Jahre auch in Deutschland gearbeitet. Er erklärt ihr, dass es in Deutschland üblich sei, zuerst die Frau zu begrüßen und dann den Mann. Sie dürfe mich also ruhig zuerst begrüßen. Ich staune und denke nur, der hat sie doch nicht alle!

All diese Begegnungen der dritten Art, habe ich anscheinend in meinem Traum ein wenig durcheinander gebracht und verarbeitet. Aber warum kommen all diese Begegnungen quasi einem Schockzustand gleich.  Bin ich wirklich kulturell so anders geprägt?

Woher kommt das? Und welche Werte und Überzeugungen stehen eigentlich dahinter?

Werte sind oft meist tiefe und nicht hinterfragte Überzeugungen, die wir von unseren Eltern, von Lehrern aber auch durch unsere eigenen Erfahrungen geformt und verinnerlicht haben.

Eine meine Überzeugungen ist, dass wir Frauen natürlich hübsch aussehen können, wenn wir es wollen, aber es nicht zwangsläufig müssen, um in unserer Gesellschaft respektiert und ernst genommen zu werden. Hier in Kolumbien habe ich aber kürzlich gelesen, dass das Rollenbild der Frau noch ein völlig anderes ist:
Frauen müssen schön sein, denn hässliche Frauen werden verachtet. Daher sind Schönheitswettbewerbe die Medien-Events des Jahres und suggerieren bereits schon den kleinsten Mädchen, wie sie sein sollten. So habe ich doch auch letztens selbst erlebt, dass insbesondere die kolumbianischen Mädchen vor einer Kinder-Geburtstagseinladung ersteinmal zum Friseur gehen und sich die Haare aufdrehen lassen. Dann werden Kleidchen angezogen, die mich an die Mode von 1950 erinnern. Meine Mutter hat auch so ausgesehen. Das weiß ich von Fotos von damals.
Habe ich nun eine Zeitreise gemacht oder an was glauben die Kolumbianer?

In einem Artikel von Julieta Romero Güeto von Juni 2013 lese ich, dass das Rollenbild von Mann und Frau in Kolumbien ganz klar definiert ist. Frauen haben hübsch zu sein und sich unterzuordnen. Männer weinen nicht, kochen nicht, passen nicht auf Kinder auf, müssen eine evtl. Untreue ihrer Frau ahnden und das fiese Gefühl der Eifersucht gilt es auch nicht zu vermeiden, nein es ist vielmehr eine Tugend hier!

Es hilft mir ein wenig zu verstehen, was hier eigentlich los ist. Ich kann es sogar akzeptieren. Da ich keine Kolumbianerin bin, zählen diese Werte nicht für mich. Bei einem Gespräch mit einem Macho-Mediziner kann ich die Gesprächszeit und seine männliche Arroganz auch schmunzelnd ertragen, schliesslich weiss ich was für mich zählt und ich kann mich abgrenzen! Ich weiss, dass ich als Deutsche Frau die gleichen Rechte habe wie ein Mann, dass ich ein hohes Bildungsniveau genieße und mich nicht unterordnen muss. Es sei denn, ich will es anders.

Aber was ist mit meinen Töchtern?

Sie sind noch sehr jung und ich befürchte, dass sie einige Überzeugungen die mit der Rolle der Frau einhergehen, annehmen könnten.

Annehmen, dass sie sich einem Mann unterzuordnen haben.
Annehmen, dass sie nicht alles in der Welt werden können, weil sie weiblich sind.
Annehmen, dass sie stets toll aussehen müssen um respektiert zu werden.

Vor Jahren im Heimatland haben die Kinder keine Misswahlen im Kindergarten abgehalten, vielmehr haben sie Seminare zum Thema „Ich bin stark, ich sag laut Nein!“ besucht. Hier ging es darum, dass die Kinder selbstbewusst werden, egal ob Männlein oder Weiblein. Dass meine Tochter den Schokoriegel nicht abgeben oder teilen muss, wenn ein anderes Kind dies lauthals verlangt. Ich kann an dieser Stelle sogar noch weiter gehen und Jesper Juul wiedergeben, der sogar in Frage stellt, ob es heute noch angebracht sei, seinen Kindern den Wert des Teilens abzuverlangen, damit das andere Kind nicht traurig ist. Er stellt dazu die Frage, ob die 16- Jährige Elfriede mit dem Jungen schlafen soll, damit er nicht traurig ist?

Meine Kinder müssen niemanden die Hand zur Begrüßung geben und sich erst recht nicht von Oma, Opa, Tante etc. küssen und/oder knuddeln lassen, wenn sie das nicht wollen. Das wird heute in deutschen Kindergärten gelehrt und ich halte das für absolut legitim und hätte mich gefreut, wenn ich dies in meiner Kindheit auch nicht hätte ertragen müssen.

Doch hier in Kolumbien sollen Kinder vor allem eines: gehorchen und nicht auffallen. Mädchen sollen hübsch sein und mit Puppen spielen. Jungs mit Autos. Mich schüttelt es jedesmal wenn meine Kinder sich von lateinamerikanischen Kindern verabschieden. Viele Eltern verlangen oft, dass sie sich zum Abschied in den Arm nehmen. Ob sie wollen oder nicht.

Meine Einstellung entspricht da auch eher der von Juul: „Gehorsame Kinder entwickeln keine Identität, sondern lernen zu folgen.“ Meine Kinder sollen nur folgen, wenn sie es wollen und davon überzeugt sind. Nicht weil sie weiblich sind und schon gar nicht, weil sie „nur“ Kind sind.

Aber wie erreiche ich dies bei Ihnen? Und finden meine Kinder, meine Überzeugungen eigentlich genauso gut wie ich?

Vermutlich muss ich einfach darauf vertrauen, dass sie ihren Weg schon machen werden. Ich und mein Mann können nur versuchen während unserer Familienzeit ihnen unser Miteinander vorzuleben: ich repariere schon mal Fahrräder, baue Schränke auf oder programmiere den Fernseher neu, während ihr Vater einkaufen geht und für uns alle anschliessend lecker kocht.
Zu Weihnachten stehen auf den Wunschzetteln meiner Kinder auch Bücher über die Geschichte der Fliegerei, aber genauso auch eine neue Barbie-Puppe. Sehen wir im Fernsehen Angela Merkel, erkläre ich Ihnen, dass sie unsere höchste Regierungsfrau ist und eine ähnliche Funktion hat, wie der Amerikanische Präsident.

Ich kann nur versuchen, Ihnen die Welt und ihre Möglichkeiten so offen und vielfältig zu zeigen, wie sie ist. Und, dass sie keine Grenzen und Einschränkungen fürchten sollen, nur weil sie weiblich sind.

Und letztendlich haben die beiden Mädels doch einen riesen Vorteil, dass sie international und multi- und nicht monokulturell aufwachsen. So wie es für Third Culture Kids typisch ist, werden sie ihre Werte und Überzeugungen aus verschiedenen Kulturen picken und mischen.

Doch ein kleiner Angstzweifel bleibt in mir. Was wenn nicht?

An der Deutschen Schule in Lima, sprechen die Kinder viel Spanisch untereinander

Heute stelle ich Euch Stella vor: Sie ist quasi eine Nachbarin von mir und lebt seit fast 6 Jahren in Peru. Ihre Kinder sind  2 und 5 Jahre alt und sie gehen dort auf die deutsche Schule in Lima.

Wie sie für sich die Schulfrage geklärt hat, erzählt sie uns heute:

In meiner Kindheit habe ich in Deutschland gelebt und habe mit 16 Jahren an einem einjährigen  Schüleraustausch nach Brasilien teilgenommen. Später, nach dem Abi bin ich als Au-Pair ein Jahr nach Italien gegangen und bevor ich in Peru ankam und meinen Mann hier kennenlernte, war ich nochmal in Brasilien.

Gemeinsam haben wir dann eine Zeit in Ecuador und dann in Spanien gelebt. Zuletzt sind wir dann nach Peru gezogen, wo auch meine Kinder geboren sind.

Daher gab es für mich nie eine wirkliche Alternative zu der deutschen Schule „Alexander von Humboldt“. Die Entscheidung haben mein Mann und ich gemeinsam getroffen, ohne Unterstützung von anderen. Allerdings war für mich von Anfang an nur diese Schule eine Option.

Schule Who are we

Warum habt Ihr Euch für genau diese eine Schule entschieden?

 

Ich möchte für meine Kinder die Möglichkeit haben, dass sie  jederzeit auch in Deutschland auf eine Schule gehen können bzw. später vielleicht auch dort studieren. Hierfür ist ein deutsches Abitur sehr hilfreich und dieses bietet nur unsere jetzige Schule an.

Meine Kinder sind beide bilingual aufgewachsen. Mein Sohn hat zwar spät angefangen zu sprechen, dann jedoch gleich auf Deutsch und in Spanisch gesprochen. Er ging vor der Schule zwar in einen peruanischen Kindergarten, aber hier wurde auf Deutsch mit den Kindern gearbeitet. In der Alexander von Humboldt Schule wird nun in erster Linie Deutsch gesprochen. So hat sich sein Deutsch deutlich verbessert. Unter den Kindern wird allerdings viel Spanisch gesprochen, was jedoch für uns keine Schwierigkeiten bedeutet. Meine Tochter geht noch in den Kindergarten. Sie spricht fließend Spanisch und langsam auch immer mehr Deutsch.

Die Schule ist angeblich eine Non-Profit School. Die Anlagen sind sehr schön und es gibt beispielsweise ein modernes Schwimmbad und vieles mehr. Allerdings sind die Schulgebühren auch sehr hoch. Die Klassengrösse liegt bei 20 Schülern.

Musstet ihr auf einen Platz warten? Gibt es Wartelisten?

 

Nein, da meine Kinder deutsche Staatsangehörige sind haben sie relativ problemlos einen Platz bekommen. Aber es gibt so viele Bewerber, dass viele Kinder ohne deutschen Hintergrund nicht aufgenommen werden.

Ich finde allerdings die „Vorschule“ schon deutlich zu verschult im Vergleich zu den deutschen Kindergärten. Es gibt jeden Nachmittag Hausaufgabenhilfe für die Eltern, die kein Deutsch sprechen und die daher ihren Kindern im Hinblick auf die Aufgaben nicht wirklich helfen können.

Die Freunde meiner Kinder sind durch die Schule sowohl Peruaner und/ oder Deutsche.  Da sie noch relativ klein sind besteht ihr Freundeskreis noch in erster Linie aus den Kindern meiner Freundinnen.

Mussten Eure Kinder einen Aufnahmetest machen?

 

Letztes Jahr wurde hier in Peru ein Verbot ausgesprochen, dass verbietet, dass Kinder einen Aufnahmetest machen müssen. Wir wurden statt dessen als Eltern getestet.

Gibt es etwas, was Du anderen Eltern bei der Wahl der Schule unbedingt empfehlen würdest?

 

Ich würde empfehlen sich danach zu erkundigen ob in der Schule auf Kinder Rücksicht genommen wird, die nicht 100% ins Schema passen. An der deutschen Schule in Lima wird wiederholt darauf hingewiesen dass es sich um eine Leistungsschule handelt und nicht individuell Rücksicht genommen wird, was ich sehr traurig finde. Es gibt  aber  leider keine Alternative für uns.

Auch an Dich liebe Stella: Herzlichen Dank, dass Du uns in Deine Entscheidung für eine deutsche Schule hast blicken lassen. Viele liebe Gruesse nach Lima!

 

Vertraut bei der Wahl der Schule auf Euer Bauchgefühl

Heute starten wir mit unserer „Schulserie“ und der Frage, wie Ihr die für Eure Kinder richtige Schule im Ausland gefunden und warum und wieso ihr diese Schule gewählt habt.

Katja macht den Anfang. Sie lebt derzeit mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in der Türkei. Die Kinder und Katja sind in Deutschland geboren, ihr Mann ist Türke. Vor 6 1/2 Jahren ging es für die Familie von Deutschland nach Moskau. Dort haben die Kids eine Internationale Schule mit Britischem Curriculum besucht. Nach etwa 5 Jahren zogen sie dann weiter nach Istanbul in die Türkei.

Der Schultyp blieb englischsprachig.

katja

 

Und hier ist ihre Geschichte:

 

Beim ersten Umzug waren wir sehr unerfahren. Unsere große Tochter war im 2. Schuljahr, die Kleine noch im Kindergarten. Beim Look & See Trip nach Moskau haben wir die drei Internationalen Schulen dort besucht. Darum haben wir uns selbst gekümmert, die Firma hat uns wenig unterstützt. Alle Informationen habe ich mir selbst online herausgesucht.

Bereits im Vorfeld haben wir uns schon dazu entschlossen, dass wir die Kinder nicht auf die Deutsche Schule in Moskau schicken werden. Wir haben uns stattdessen für eine Internationale Schule entschieden. Dies deshalb, weil die Kinder ja noch so jung waren und daher das Erlernen der Englischen Sprache schnell klappen sollte. Die British International School ist es für uns deshalb geworden, weil die anderen Schulen keinen Platz hatten. Die Schulleiterin hat uns aber auch sehr nett empfangen und beraten. Die Atmosphäre war super angenehm und wir hätten uns vermutlich sowieso für diese Schule entschieden.

Heute kann ich kaum glauben, wie wir das alles geschafft haben. Am ersten Schultag haben wir die Kinder einfach „abgeliefert“ und sind gegangen. Sie konnten kein Wort Englisch und in der Schule konnte niemand Deutsch. Nachmittags sind sie im Schulbus ganz allein nach Hause gekommen. Sie waren 7,5 und 4,5 Jahre alt. Im Nachhinein empfinde ich das als grausam, aber im Grunde war es richtig so und es gab auch keine andere Möglichkeit. Ich halte nicht viel davon, wenn Eltern wochenlang mit im Unterricht sitzen, weil das Kind sich sonst nicht eingewöhnen kann. Die neue Sprache haben Beide innerhalb von 3 Monaten gelernt wobei uns die Schule sehr gut unterstützt hat.

Meine große Tochter hatte aber schon Eingewöhnungsprobleme!

 

Sie hat schon immer auf neue Situationen mit vielen Wutanfällen zu Hause reagiert. Das war in Moskau nicht anders. Ein gutes Jahr hat es gedauert, dann hatte ich das Gefühl, dass sie wirklich angekommen war. Die nächsten 4,5 Jahre liefen immer besser und es gab keine großen Umstellungen mehr. Sie hat sich sehr wohl gefühlt und viele gute Freunde gefunden. Dennoch hatte sie immer den Wunsch, zurück nach Deutschland zu ziehen. Die kleine Tochter war schon immer unkomplizierter und sie war auch noch nicht so verwurzelt in Deutschland.

Der Umzug nach Istanbul lief sehr reibungslos. Es gab keine Sprachprobleme und die Stadt und Kultur ist den Kindern bekannt, da wir oft bei unseren Verwandten hier in Urlaub waren. Natürlich vermissen sie ihre Freunde, aber viele sind sowieso inzwischen aus Moskau weggezogen.

In der jetzigen Schule sind zwischen 17 und 20 Schüler in einer Klasse untergebracht. In Moskau gab es in der Primary School auch zusätzlich zum Lehrer einen Teaching Assistant. Die maximale Klassengrösse ist 22.

Sowohl die Schule in Moskau als auch die hier in Istanbul sind Profit Schools, was bedeutet, dass es einen Eigentümer gibt.

 

Das war vor allem in Moskau ein großes Problem, denn die Facilities und das Essen waren katastrophal. Mit jedem Jahr haben wir uns mehr geärgert. Nur die guten Lehrer und die angenehme Atmosphäre haben uns nicht wechseln lassen. In Istanbul ist es nicht ganz so schlimm: die Schule, vor allem der nationale Teil, hat einen sehr guten Ruf. Dieser Ruf ist extrem wichtig in Istanbul und die Facilities und das Essen sind wesentlich besser. Daher haben wir hier nicht das Gefühl, dass der Eigentümer sich bereichert. Das war in Moskau anders.

Die Lehrer sind oft sehr jung, weil sie nach der Ausbildung gern Auslandserfahrung sammeln möchten. Das macht sich natürlich in manchen Bereichen bemerkbar. Es gibt jedes Jahr viele Wechsel und oft bleiben die Lehrkräfte nur 2-3 Jahre und ziehen dann weiter. Es gibt aber auch sehr erfahrene Lehrer, die international viel Erfahrung gesammelt haben. Diese Lehrer sind sehr professionell und wissen mit den unterschiedlichen Kulturen umzugehen. Die Eltern sind in der jetzigen Schule gerne gesehen, was in der Schule in Moskau ein wenig anders war.

Beide Schulen folgen dem IB-Programm (International Baccalaureate) bzw. dem PYP (International Baccalaureate Primary Years Programme) Die Britische Schule war natürlich sehr britisch, die jetzige Schule ist durch die Herkunft der Lehrer eher amerikanisch geprägt. Beide folgen außerdem dem Cambrigde IGCSE Programm in der Middle School. Die High School bietet außerdem einen türkischen Zweig an. Sehr kompliziert alles, man muss sich gründlich einlesen.……

Wie beurteilt Ihr das Curriculum im Vergleich zum deutschen System? Seid Ihr zufrieden?

 

Mir gefällt das IB bzw. PYP wesentlich besser als das deutsche System. Ich mag den Ansatz, mit den sogenannten Units of Inquiry und dass die einzelnen Themen sich durch sämtliche Fächer ziehen. Die Kinder lernen sehr früh selbst zu recherchieren und sich und ihre Arbeiten zu präsentieren. Sie bekommen die Fakten nicht einfach so serviert und es geht viel um Persönlichkeitsentwicklung. Ich mag das sehr. Nachteil ist, dass in den ersten Schuljahren relativ langsam beispielsweise in Mathe vorgegangen wird. Bei einem Wechsel auf eine deutsche Schule müssten meine Kinder da viel nacharbeiten.

In der Schule in Istanbul gibt es auch einen Learning Support während des Unterrichts und man kann Tutoring nach der Schule in Anspruch nehmen, falls es nötig ist.

Gibt es etwas, was Du anderen Eltern bei der Wahl der Schule unbedingt empfehlen würdest?

 

Hört auf’s Bauchgefühl. Überlegt genau, was Euch wichtig ist. Hört nicht auf Andere. Meiner Erfahrung nach haben die Eltern, vor allem aus anderen Kulturen oft ganz andere Schwerpunkte. Die indischen Eltern sind beispielsweise sehr ehrgeizig und wollen viele Punkte im Curriculum abgearbeitet sehen. Ich wiederum stehe auf dem Standpunkt, dass die Schule den Kindern vor allem Neugierde und Freude am Lernen vermitteln muss. Sie muss den Kindern beibringen, Fragen zu stellen und wie sie Antworten finden können. Heutzutage ist alles Wissen nur ein paar Klicks entfernt. Für mich muss die Schule den richtigen Umgang damit vermitteln und viel Wert auf Persönlichkeitsentwicklung legen. Andere Eltern sehen das ganz anders und machen zusätzliche Aufgaben mit ihren Kindern, oft damit sie bei der Rückkehr den Anschluss nicht verlieren.

Ich finde, man sollte der Schule vertrauen! Insbesondere dann, wenn es eine Internationale Schule ist. Internationale Schulen haben meist sehr gute Erfahrungen mit Expat Kindern und deren Problemen.  Und vor allem vertraue ich meinen Kindern, dass sie es schaffen, egal wohin unser Weg noch geht.

Wir bleiben hoffentlich noch einige Zeit in Istanbul, so dass die Kinder auf der Internationalen Schule ihren Abschluss machen können. Eine Rückkehr nach Deutschland wäre sicher schwierig. Doch wie schon erwähnt,  vertraue ich meinen Kindern und fände es auch nicht schlimm, wenn sie bei einem Wechsel nach Deutschland möglicherweise ein Jahr verlieren würden.

Liebe Katja, vielen lieben Dank für Deine Offenheit, die sicherlich vielen Familien helfen wird, eine der wichtigsten Entscheidungen mit gutem Gewissen zu treffen.

Dr Seuss oder Wilhelm Busch? Das ist hier die Frage

Wie? Dr Seuss kennst Du (noch) nicht? Sofern Deine Kids auf eine Internationale Schule gehen, wirst Du ihn bald kennenlernen! Er ist ein Netter und seine Bücher genauso toll wie die von Wilhelm Busch. Aber eben anders! Wie das immer so ist, wenn Du im Ausland lebst.

Vor einiger Zeit habe ich mich mal umgehört und Euch gebeten, mir in einem Interview Eure Schwierigkeiten und Entscheidungen beim Thema Schulfindung zu erklären und ich freue mich schon, diese hier ab nächsten Freitag vorzustellen.
Wer einmal sein Kind in eine deutsche Schule im Heimatland eingeschult hat, weiss mit welchen Fragen, Inhalten und Überlegungen es gilt sich auseinander zu setzen. Nun ziehen wir den Schwierigkeitsgrad etwas an. Wir müssen uns bei einem Umzug ins Ausland nicht mehr zwischen offenem und geschlossenem Ganztag etc. entscheiden, sondern müssen uns vorallem über eine essentielle Frage klar werden:

Soll der Schulunterricht in Deutscher oder Englischer Sprache sein und welchem Curriculum soll die Schule überhaupt folgen?

 

Meiner Meinung nach ist dies die absolut schwierigste und zentralste Frage überhaupt, so entscheidet die Antwort doch auch über die Wohngegend in der neuen Heimat mit.

learninglog

 

Haben wir es dann endlich geschafft und uns beispielsweise für den Englisch Sprachigen Weg entschieden, wird es leider nicht einfacher:

Es gibt in vielen Expat Destinationen zwar Internationale Schulen, die meist auch in den höheren Klassen einem gemeinsamen Curriculum folgen um den Schülern das international anerkannte Abitur zu ermöglichen, doch werden die Lehrpläne in der Grundschule und in der Middle School oft an das Curriculum des jeweiligen Landes, welches die Schule repräsentiert angelehnt.
Das bedeutet gerade in den unteren Klassen eine Vielfalt von Lehrplänen wie Kanadischem, Nord-Amerikanischen und Britischem Curriculum und vielen anderen mehr.

Und wenn Deine Kindern auf einmal mit Büchern von Dr. Seuss anstatt von Wilhelm Busch nach Hause kommen, wirst Du spätestens in diesem Moment realisieren, dass Deine Kinder wohl auch zukünftig eher die Amerikanischen Präsidenten als die Deutschen Bundeskanzler aufzählen können.

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