Die geballte Tradition des Weihnachtsfestes im Gastland ist das beste Expat Geschenk

Die Weihnachtszeit in einer fremden Kultur zu erleben empfinde ich als eines der besten Geschenke, die mir unser Expat Leben so bescheren kann. Schliesslich ist dies eine Zeit, in der wir geballt die Tradition und Bräuche unseres Gastlandes miterleben können.

Am schönsten daran finde ich jedoch, dass wir alles mischen und feiern dürfen: die Weihnachtsfeier der Schule, den Adventskalender, Nikolaus am 6. Dezember, die Eröffnung des Alumbrado in Bogota, Deutscher Weihnachtsmarkt mit Glühwein und Stollen, die Zeit der Novenen und Weihnachten mit Feuerwerk. Und das alles bei dem schönsten Wetter des Jahres und der „besten „Verkehrslage, die Bogota im Jahr zu bieten hat.

Unsere Einstimmung auf Weihnachten begann vor einer Woche an unserer Schule. Die Kinder brauchen an diesem Tag keine Schuluniform tragen, sondern werden gebeten sich an diesem Tag in den Weihnachtsfarben grün, weiss und rot zu kleiden. Alles ist erlaubt, auch Rentiergeweih in jeglich blinkender Form sowie Nikolausmützen oder sonstiger lustiger Kram.
Die ganz Kleinen bis einschliesslich Year 2 singen dann im Schultheater zusammen ein paar  Weihnachtslieder abwechselnd auf Spanisch und auf Englisch. Da geht immer mein Herz auf und ich bin immer so stolz…. ach….

Navidad

 

Ab Year 3 spielen dann die Kinder ihre Instrumente vor, für die sie sich im letzten Schuljahr entschieden haben.

So kam ich nun doch endlich in den Genuss meines ersten „Coldplay Konzerts“ mit dem Song „Sky full of stars“.

Das ganze Spektakel beginnt um 2 und dauert bis ca. 6 Uhr. Auf dem Schulhof gibt es zu essen und zu trinken und einen kleinen Weihnachtsmarkt, wo es viele typische Weihnachtsdinge aus den verschiedensten Ländern zu kaufen gibt. Schliesslich organisieren dies die Familien der Schule und so wird es ein bunter internationaler Weihnachtsmarkt….. wenn auch unter Coca-Cola Zelten.

Gegen 18.30 gibt es dann noch ein riesen Feuerwerk und nach 15 Minuten Böllerei ist das alljährliche Weihnachtsfest der Schule zu Ende.

Ich glaube, seit diesem Tag haben wir bisher jeden Abend Feuerwerk in unserer Nachbarschaft hören und sehen können.

Und heute morgen haben mich unsere Kinder nach dem Öffnen des Weihnachtskalenders auch wieder daran erinnert, dass ja heute Nacht der Nikolaus kommt und sie unbedingt ihre Schuhe vor die Tür stellen müssen.
Den Brauch mit dem Weihnachtskalender und Nikolaus gibt es in Kolumbien nicht und wie gut, dass ich damals zwei Kalender aus Deutschland mitgenommen habe, die jedes Jahr neu befüllt werden können. Doch wie ich hörte, verkaufen inzwischen hier und da manche Supermärkte schonmal Kalender. Meiner Haushaltsfee musste ich diesen Brauch jedoch erstmal erklären.

Anstelle des Nikolaus findet hier jedoch die „Noche de las velitas“ statt. In der Nacht vom 7. auf den 8. Dezember kommen die Familien zusammen und essen gemeinsam zu Abend und beleuchten und schmücken danach ihr Haus mit Kerzen. Danach geht es auf zum Spaziergang durch die Nachbarschaft und durch die Strassen um die „Wärme“ der Kerzen überall aufzusaugen, zu tanzen, Krippenspiele anzusehen und Menschen zu treffen.

Das geht meist die ganze Nacht und auch die Kinder bleiben auf. Am 8. Dezember ist glücklicherweise Feiertag und alle können sich ausruhen.

In Villa de Leyva wird drei Nächte lang die“ Nacht der Lichter“ gefeiert. Mit durch Kerzen erleuchteten Strassen und jeden Abend Feuerwerk und Musik, Tanz und Gesang.
Die Nacht der Kerzen wird zu Ehren der Jungfrau Maria und ihrer unbefleckten Empfängnis wegen gefeiert.

Letztes Jahr gab es auch auf dem Gelände des Museums El Chico am 7. und 8. Dezember einen typisch deutschen Weihnachtsmarkt, wo wir Glühwein getrunken und Stollen für Zuhause gekauft haben. Das ganze dann immer bei bestem Wetter, denn die meisten Sonnenstunden in Bogota gibt es im Dezember und Januar und vermutlich werden wir dieses Wochenende mal wieder den Grill anwerfen.
Auch um endlich mal einigermassen stressfrei in die Stadt fahren zu können, bietet sich der Dezember an. Denn viele Schulen sind bereits seit Anfang Dezember bis Mitte Januar geschlossen und so sind bereits viele Familien aus der Stadt ausgeflogen und es wird für bogotanische Verhältnisse in der Stadt leerer und leerer….

Neun Tage vor Weihnachten, am 16. Dezember beginnt dann hier die Zeit der „Novenen“ welche ihren Höhepunkt am 24. Dezember findet. In dieser Zeit laden abwechselnd die Familien der Nachbarschaft zum abendlichen Gebet in ihre Häuser ein. Die jeweilige Krippe wird dann bestaunt und es wird gebetet und gesungen. Die Gebete handeln von den 9 Monaten vor der Geburt Jesu und sollen die Menschen auf die Geburt bzw. Weihnachten einstimmen. Im Anschluss an die Gebete wird dann zusammen gegessen: typische Dinge wie Natilla (ähnlich einem Flan Pudding) und Buñuelos (ähnlich ungesüssten Krapfen). Manchmal versammeln sich die Nachbarn auch im Hof und bereiten diese Dinge über einem Lagerfeuer und alles endet in Tanz und Gesang von Salsa und Merengue…..

Heiligabend ist dann auch hier der Höhepunkt des Weihnachtsfestes und die Familien kommen zusammen. Doch die Geschenke für die Kinder liegen hier nicht unter dem Weihnachtsbaum, sondern werden in der Nacht auf den 25. Dezember unter die Betten der Kinder gelegt. Erwachsene beschenken sich meist nicht.

Tja und viele von Euch können sich vermutlich gar nicht vorstellen an Weihnachten soweit weg von der eigenen Familie, von den Weihnachtsmärkten und gebrannten Mandeln zu sein ohne so richtig Heimweh zu bekommen….

Heimweh an Weihnachten hab ich eigentlich weniger, doch wenn ich den Kölner Tatort einschalte und Ballauf und Schenk am Büdchen am Rhein, Curry Wurst essen und Kölsch trinken sehe, dann wird es schwierig für mich.

 

In diesem Sinne „Drink doch ene mit“ fuer mich und Frohe Weihnachten. Eine besinnliche Weihnachtszeit.

Herzliche Gruesse

 

 

 

 

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