Das kann doch alles nicht wahr sein! Doch, ich schwör!!

“Life might be difficult for a while, but I would tough it out because living in a foreign country is one of those things that everyone should try at least once. My understanding was that it completed a person, sanding down the rough provincial edges and transforming you into a citizen of the world.” – David Sedaris, Me Talk Pretty One Day

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Also, was mir in den letzten zwei Monaten so passiert ist, ist irgendwie so gar nicht das, womit ich in Kolumbien gerechnet hätte. Und so irgendwie hab ich mich auf die falschen Dinge emotional als auch gedanklich vorbereitet. Und irgendwie habe ich mit ganz anderen Dingen zu kämpfen, als das, was ich vielleicht so von Kolumbien erwartet oder befürchtet hatte.

Und ich glaube, genau das ist das Problem: irgendwie liegen die Schwierigkeiten des Alltags ganz weit entfernt von Sicherheits- und Drogenproblemen.

Seit ungelogen 16 Monaten klappt das Bezahlen von Rechnungen nicht und das, obwohl wir ja zahlen wollen und können. Zahlungen zu leisten, ist soooo kompliziert und weil alle immer so misstrauisch sind, muss man überall persönlich aufrauschen. Selbst um die Anschrift für die Rechnung zu ändern. Das wollte ich nämlich tun. Allerdings nicht für mich, sondern für meine bessere Hälfte. Ausgestattet mit einer Ausweiskopie meines Mannes und einer entsprechenden Vollmacht wurde ich abgewiesen. Adressänderung ist ja auch sowas von bedenklich. Ist nur persönlich möglich.

Wenn ich also die letzten 8 Wochen mal zusammenfasse, dann klingt das in etwa so:

 

Anfang Juli zogen wir innerhalb Bogotas in ein neues Haus um.  Hier würde ich gerne einfügen, dass wir in eine der besten Wohngegenden Bogotas mit angeblich den besten Häusern gezogen sind. Das erwähne ich nicht um anzugeben, sondern weil sonst vielleicht bei der nachfolgenden Geschichte der Eindruck entstehen könnte, dass wir in irgendeine Hütte mit mangelhafter Ausstattung gezogen seien. Was wir beim Umzug wollten, war  ein Haus auf europäischem Standard und Familien aus der Schule unserer Kinder als Nachbarn. Ein Grossteil wohnt nämlich auch hier.
Bei der Hausübergabe funktionierten nun manche Dinge im Haus nicht oder nur bedingt und es wurde im Hand Over Protokoll die baldige Reparatur festgehalten. Leider nicht vom Vermieter unterschrieben, was uns später zum Verhängnis wurde.

Unter anderem sollte die Dunstabzugshaube in der Küche repariert werden, doch nachdem etliche Leute bei uns zwecks Kostenvoranschlag über Wochen bei uns ein und aus gegangen waren, erhielten wir die Nachricht von unserem Vermieter, dass er die Reparatur nicht übernehmen würde, da ihm die Kosten zu hoch seien (sie beliefen sich auf 10% der monatlichen Miete).

Er argumentierte damit, dass die Belüftung der Küche so gut sei, dass wir auch gut ohne die Dunstabzugshaube auskommen könnten und eigentlich war sie ja eh nur zu Dekozwecken angebracht worden.
Ohne Witz! Das waren seine Worte!

Leider stellten wir auch fest, dass die Tür zum Garten sich nicht mehr öffnen liess weil das Schloss total verrostet war und ich fragte mich schon, ob die Tür wohl auch nur zur Zierde eingebaut wurde, da das Haus ja so viele Fenster hat?! Aber Spass bei Seite. Die Reparatur wollte der Vermieter auch nicht zahlen mit der Begründung, dass beim Einzug  das Schloss noch in Ordnung gewesen sei.

Also dachten wir, gut, dann reparieren wir die Dinge auf eigene Kosten und mindern dann die Miete. Leider ist das in Kolumbien nicht erlaubt und könnte ein Grund sein, verklagt zu werden. Wir, nicht der Vermieter.
Dann ziehen wir eben aus, dachten wir. Geht hier leider auch nicht so einfach, weil Mietverträge grundsätzlich für ein Jahr geschlossen werden und eine exorbitante Strafzahlung fällig wird, sollten wir vor Ablauf des ersten Jahres ausziehen.
Aufgrund der Vergangenheit Kolumbiens sind Verträge hier auch kaum durch Anwälte auflösbar, schliesslich ist Kolumbien so stolz darauf, sich an Gesetze bzw. Verträge zu halten.

Aber weiter im Alltag:

 

Es klingelt an der Haustür und der Reinigungsmann bringt mir den gereinigten Anzug meines Mannes zurück. Während ich den Anzug nach oben trage, versuche ich noch mein Karma zu verbessern und denke aufheiternd, wie herrlich doch die Service Gesellschaft in Kolumbien ist. Es gibt jede Menge Door to Door Services, die den Alltag doch so erleichtern…..

Ja erleichtern, wäre da nicht…….

Es klingelt erneut. Warum meldet der Guard eigentlich die Besucher nicht telefonisch an? , frage ich mich. Es ist der Wasserheini, der wissen will, ob ich neue abgefüllte Wassergaleonen brauche. Na der kommt ja wie gerufen. Positiv sein, wegen dem Karma!

Als er schon am Gehen dranne ist (ein Hoch auf meinen sauerländischen Jargon an dieser Stelle) ruft er mir noch zu, ich solle mal gucken, ob der Hörer meines Haustelefons richtig aufgelegt sei. Der Guard hätte ihn nicht bei uns anmelden können, weil das Telefon nicht funktioniere.

Mir schwant Böses.

Und richtig: Das Haustelefon funktioniert nicht und dabei ist es in Kolumbien so wichtig, dass Besucher am Haupteingang angehalten und überprüft werden. Erst dann bekommt man einen Anruf, ob der Besuch durchgelassen werden darf. Ohne Telefon also kein Avis und so kein Besuch. Aus Sicherheitsgründen.
Wir riefen also beim Provider des Haustelefon an. Der verwies uns auf die Administration unseres Compounds und der wiederum auf den Provider. Immer so weiter. Das Haustelefon lag brach, ungefähr 4 Wochen. Teilweise fand uns die Telefongesellschaft nicht im System und teilweise meinte sie, dass sie bei uns in der Gegend gar keinen Service anbieten würden. Komisch nur, dass wir eine separate Internetleitung auch genau bei diesem Anbieter haben, welche einwandfrei funktioniert.

Dann stellte sich heraus, dass die Rechnung tatsächlich nicht bezahlt worden war: der Vermieter war Rechnungsempfänger und irgendwie glaubt er auch hier, dass das Haustelefon nur zur Deko sei.

Ich beschloss, ich brauche Urlaub von diesem Land um mein schon erwähntes Karma wieder in Ordnung zu bringen.

 

Die Herbstferien standen vor der Tür und weil diese nur 1 Woche lang sind, holte ich mir das OK für eine 1-wöchige Verlängerung von der Schule. Ist doch ganz praktisch, wenn die Schule nicht staatlich ist.
Und so klappte ich den Computer auf und googelte die günstigsten Flug-Verbindungen nach Deutschland und fand auch schliesslich einen Air France Flug für Freitags. Ich bat also meinen Mann bei der Bank anzurufen (hier muss man aus Sicherheitsgründen vorab immer Bescheid geben) und einen höheren Betrag für die Bezahlung per Kreditkarte der Flüge freizugeben. Wie ihr merkt, Kreditkartennutzung ist in Kolumbien auch ganz easy und völlig entspannend.
Hier ein Klick und da und ….. meine Kredit-Karte funktionierte nicht. Ich versuchte die meines Mannes- auch nicht! Und obwohl auch das ein Deja-vu war und eigentlich nichts Neues, war es aber der Punkt wo ich verzweifelte.

Sch… aufs Karma.

Diesmal versuchte ich die Telefondistanz durch Schreien ins Telefon zu überbrücken und verlangte, dass mein Mann SOFORT bei der Bank anrief und die Situation klärte. Da ich als Mitgereiste ja nicht Kontoinhaberin sein kann, muss ER  jegliche Angelegenheiten für mich erledigen. Also, was war passiert?
Das so unglaublich gut geschulte Personal der Bank hatte den Betrag für die Kreditkarte  nicht freigegeben, sondern…. die Karten alle gesperrt.

Alle Karten!

Nach diversen Geldschiebereien per online Banking konnte ich dann ein paar Stunden später auch unsere Flüge über unser deutsches Konto bezahlen. So die Theorie. Leider wurde auch hier die Kreditkarte nicht akzeptiert. Oh, mein Karma war anscheinend endgültig ruiniert.

Doch wie sich herausstellte, war dieses Mal alles in Ordnung mit den Kreditkarten. Nur Air France wollte diesen Flug nicht so richtig verkaufen. Wegen andauernder Streiks der Fluggesellschaft, konnten Flüge derzeit ausschliesslich nur telefonisch gebucht und bezahlt werden.
Allerdings war der Flug den ich reserviert hatte, ganz oben auf der Streichungsliste und mir wurde gesagt, dass mit zu 90% iger Wahrscheinlichkeit, dieser Flug nicht stattfinden werde.

Einen alternativ Flug zu buchen kam leider wegen der deutlich höheren Preise nicht in Frage. Und so musste ich hier in Kolumbien mein Karma heilen.

Ein paar Tage später hatten wir kein warmes Wasser, Kohlenmonoxid im Haus und zuletzt wurde uns das Gas aus Sicherheitsgründen abgedreht, damit wir nicht in die Luft fliegen…..

Und Du so? Was ist Deine unglaublichste Geschichte?

 

Im Internationalen Schulsystem geht es oft eher um Wissensanwendung

Heute der vorerst letzte Teil der „Schulfindungs-Reihe“ und der wird heute von Andrea erzält. Der Weg für sie und ihre Familie führte von Deutschland nach Trinidad und dann von Trinidad nach Bangkok.

Und los gehts:

Ich lebe mit meiner Familie seit 2008 im Ausland. Wir, das sind mein Mann und unsere Tochter, die inzwischen 12 Jahre alt ist und natürlich ich, Andrea. Bevor wir nach Thailand gezogen sind haben wir gut 4 ½ Jahre in der Karibik auf Trinidad gelebt.

Bei der Suche nach einer Auslandsschule wurden wir nicht unterstüzt und so musste ich mir sämliche Informationen selbst aus dem Internet besorgen. Empfehlungen gab es folglich keine. Nachdem wir uns jeweils für eine Schule entschieden haben, wohlgemerkt jedoch ohne diese vorher mal persönlich in Augenschein zu nehmen,  lief der komplette Anmelde- und Zahlungsprozess über die Firma meines Mannes.

Warum habt Ihr Euch für genau diese eine Schule entschieden?

In Trinidad hatten wir die Wahl zwischen lokalen Schulen, einer Internationalen Schule mit Kanadischem Lehrplan und einer Internationalen mit Amerikanisch angelehnten Lehrplänen. Letztere war für uns am Besten aufgestellt, da die Einrichtungen gut waren und viele internationale Familien hier auch ihre Kinder hinschickten.

Bangkoks International School (ISB) hatte für uns den Pluspunkt hinsichtlich des Arts und Performing Programm. Aber auch die Lage der Schule, die sich innerhalb einer abgesicherten Wohnlage befindet, war maßgebend für uns.  Dinge, die wir in der Karibik nicht hatten und den Bewegungsspielraum unserer Tochter dramatisch verbessert haben.

An beiden Schulen gibt es Counselor, die sich um unsere Tochter gekümmert haben, wenn die Tage und das Miteinander im Klassenraum nicht ganz rund liefen. Das war wirklich hilfreich.
Als wir 2008 nach Trinidad zogen war unsere Tochter 5 und sprach kein Wort Englisch und hat sich am Anfang sogar geweigert zu sprechen. Sie hatte jedoch eine sehr einfühlsame Klassenlehrerin. Gleichzeitig hat sie aber auch ein Jahr lang English Nachhilfe bekommen. Das lief alles reibungslos. Ich vermute, da unsere Tochter  im Alter von 5 Jahren bereits ihre Muttersprache einwandfrei sprechen konnte, hatte sie eine solide Basis  auf der sie die Fremdsprache aufbauen konnte. Es dauerte keine 3 Monate da sprach sie dann Englisch.

Wie ist die Schule organisiert?

Die maximale Klassengrösse lag und liegt bei 23 Kindern. Ab 24 Schülern wird meistens geteilt.

ISB Raum

In beiden Fällen ist es eine Non-Profit-Schule und das Bord of Trustees entscheidet, wie das eingenommene SchulGeld eingesetzt wird. Und ich denke das ist gut gelöst. Das Curriculum ist an amerikanische Lehrpläne angelehnt, wenn auch immer mit der Intention, es international auszurichten.
Zusätzlich zum täglichen Unterricht gibt es auch Support hinsichtlich Englischunterricht. An der ISB bieten viele Lehrer zumindest in der Middle School nach dem Unterricht eine Hausaufgabenbetreuung auf freiwilliger Basis an.

Wie siehst Du den Unterschied zum deutschen Schulsystem?

Im deutschen Schul-System geht es für mich mehr um Wissensabfrage und  im Internationalen System um Wissensanwendung. Was ich vermisse ist die Logik der Lehrpläne im Bereich Worldlanguage. Diese stehen ganz unten auf der Prioritätenliste, das ist enttäuschend.

Wie erlebt Ihr die Schul-Community?

Schwer zu beurteilen, es gibt immer solche und solche Expats. Aber da alle in der Regel nur für eine bestimmte Zeit bleiben, ist ein recht grosses Engagement sowohl bei den Eltern als auch bei den Lehrern zu sehen.

Musstet ihr auf einen Platz warten? Gibt es Wartelisten?

An beiden Schulen gibt es Wartelisten, doch wir hatten immer Glück und wurden direkt angenommen. Generell ist meine Erfahrung, dass ab Middle School und High School die Listen länger werden.

Was rätst Du Familien um die richtige Schule im Ausland zu finden?

Die Website www.Ibo.org ist eine gute Hilfe, um international auf Schulsuche zu gehen. Alle Schulen arbeiten nach vergleichbaren Lehrplänen und der Wechsel von einem Land in das andere entwickelt sich somit nicht zwangsläufig zu einer Tortur.

Wenn Ihr nach Deutschland zurück gehen würdet, auf welche Schule schickt ihr dann Eure Tochter?

Wir würden sie entweder auf eine bilinguale Schule oder was am wahrscheinlichsten ist, auf eine Internationale Schule schicken. Eine Umstellung auf das Deutsche Schulsystem macht für uns nach 7 Jahren Internationale Schule wenig Sinn und kommt vermutlich einem Kulturschock gleich.

Herzlichen Dank Andrea und viele Grüsse ins weit enfernte Bangkok!

An der Deutschen Schule in Lima, sprechen die Kinder viel Spanisch untereinander

Heute stelle ich Euch Stella vor: Sie ist quasi eine Nachbarin von mir und lebt seit fast 6 Jahren in Peru. Ihre Kinder sind  2 und 5 Jahre alt und sie gehen dort auf die deutsche Schule in Lima.

Wie sie für sich die Schulfrage geklärt hat, erzählt sie uns heute:

In meiner Kindheit habe ich in Deutschland gelebt und habe mit 16 Jahren an einem einjährigen  Schüleraustausch nach Brasilien teilgenommen. Später, nach dem Abi bin ich als Au-Pair ein Jahr nach Italien gegangen und bevor ich in Peru ankam und meinen Mann hier kennenlernte, war ich nochmal in Brasilien.

Gemeinsam haben wir dann eine Zeit in Ecuador und dann in Spanien gelebt. Zuletzt sind wir dann nach Peru gezogen, wo auch meine Kinder geboren sind.

Daher gab es für mich nie eine wirkliche Alternative zu der deutschen Schule „Alexander von Humboldt“. Die Entscheidung haben mein Mann und ich gemeinsam getroffen, ohne Unterstützung von anderen. Allerdings war für mich von Anfang an nur diese Schule eine Option.

Schule Who are we

Warum habt Ihr Euch für genau diese eine Schule entschieden?

 

Ich möchte für meine Kinder die Möglichkeit haben, dass sie  jederzeit auch in Deutschland auf eine Schule gehen können bzw. später vielleicht auch dort studieren. Hierfür ist ein deutsches Abitur sehr hilfreich und dieses bietet nur unsere jetzige Schule an.

Meine Kinder sind beide bilingual aufgewachsen. Mein Sohn hat zwar spät angefangen zu sprechen, dann jedoch gleich auf Deutsch und in Spanisch gesprochen. Er ging vor der Schule zwar in einen peruanischen Kindergarten, aber hier wurde auf Deutsch mit den Kindern gearbeitet. In der Alexander von Humboldt Schule wird nun in erster Linie Deutsch gesprochen. So hat sich sein Deutsch deutlich verbessert. Unter den Kindern wird allerdings viel Spanisch gesprochen, was jedoch für uns keine Schwierigkeiten bedeutet. Meine Tochter geht noch in den Kindergarten. Sie spricht fließend Spanisch und langsam auch immer mehr Deutsch.

Die Schule ist angeblich eine Non-Profit School. Die Anlagen sind sehr schön und es gibt beispielsweise ein modernes Schwimmbad und vieles mehr. Allerdings sind die Schulgebühren auch sehr hoch. Die Klassengrösse liegt bei 20 Schülern.

Musstet ihr auf einen Platz warten? Gibt es Wartelisten?

 

Nein, da meine Kinder deutsche Staatsangehörige sind haben sie relativ problemlos einen Platz bekommen. Aber es gibt so viele Bewerber, dass viele Kinder ohne deutschen Hintergrund nicht aufgenommen werden.

Ich finde allerdings die „Vorschule“ schon deutlich zu verschult im Vergleich zu den deutschen Kindergärten. Es gibt jeden Nachmittag Hausaufgabenhilfe für die Eltern, die kein Deutsch sprechen und die daher ihren Kindern im Hinblick auf die Aufgaben nicht wirklich helfen können.

Die Freunde meiner Kinder sind durch die Schule sowohl Peruaner und/ oder Deutsche.  Da sie noch relativ klein sind besteht ihr Freundeskreis noch in erster Linie aus den Kindern meiner Freundinnen.

Mussten Eure Kinder einen Aufnahmetest machen?

 

Letztes Jahr wurde hier in Peru ein Verbot ausgesprochen, dass verbietet, dass Kinder einen Aufnahmetest machen müssen. Wir wurden statt dessen als Eltern getestet.

Gibt es etwas, was Du anderen Eltern bei der Wahl der Schule unbedingt empfehlen würdest?

 

Ich würde empfehlen sich danach zu erkundigen ob in der Schule auf Kinder Rücksicht genommen wird, die nicht 100% ins Schema passen. An der deutschen Schule in Lima wird wiederholt darauf hingewiesen dass es sich um eine Leistungsschule handelt und nicht individuell Rücksicht genommen wird, was ich sehr traurig finde. Es gibt  aber  leider keine Alternative für uns.

Auch an Dich liebe Stella: Herzlichen Dank, dass Du uns in Deine Entscheidung für eine deutsche Schule hast blicken lassen. Viele liebe Gruesse nach Lima!

 

Vertraut bei der Wahl der Schule auf Euer Bauchgefühl

Heute starten wir mit unserer „Schulserie“ und der Frage, wie Ihr die für Eure Kinder richtige Schule im Ausland gefunden und warum und wieso ihr diese Schule gewählt habt.

Katja macht den Anfang. Sie lebt derzeit mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in der Türkei. Die Kinder und Katja sind in Deutschland geboren, ihr Mann ist Türke. Vor 6 1/2 Jahren ging es für die Familie von Deutschland nach Moskau. Dort haben die Kids eine Internationale Schule mit Britischem Curriculum besucht. Nach etwa 5 Jahren zogen sie dann weiter nach Istanbul in die Türkei.

Der Schultyp blieb englischsprachig.

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Und hier ist ihre Geschichte:

 

Beim ersten Umzug waren wir sehr unerfahren. Unsere große Tochter war im 2. Schuljahr, die Kleine noch im Kindergarten. Beim Look & See Trip nach Moskau haben wir die drei Internationalen Schulen dort besucht. Darum haben wir uns selbst gekümmert, die Firma hat uns wenig unterstützt. Alle Informationen habe ich mir selbst online herausgesucht.

Bereits im Vorfeld haben wir uns schon dazu entschlossen, dass wir die Kinder nicht auf die Deutsche Schule in Moskau schicken werden. Wir haben uns stattdessen für eine Internationale Schule entschieden. Dies deshalb, weil die Kinder ja noch so jung waren und daher das Erlernen der Englischen Sprache schnell klappen sollte. Die British International School ist es für uns deshalb geworden, weil die anderen Schulen keinen Platz hatten. Die Schulleiterin hat uns aber auch sehr nett empfangen und beraten. Die Atmosphäre war super angenehm und wir hätten uns vermutlich sowieso für diese Schule entschieden.

Heute kann ich kaum glauben, wie wir das alles geschafft haben. Am ersten Schultag haben wir die Kinder einfach „abgeliefert“ und sind gegangen. Sie konnten kein Wort Englisch und in der Schule konnte niemand Deutsch. Nachmittags sind sie im Schulbus ganz allein nach Hause gekommen. Sie waren 7,5 und 4,5 Jahre alt. Im Nachhinein empfinde ich das als grausam, aber im Grunde war es richtig so und es gab auch keine andere Möglichkeit. Ich halte nicht viel davon, wenn Eltern wochenlang mit im Unterricht sitzen, weil das Kind sich sonst nicht eingewöhnen kann. Die neue Sprache haben Beide innerhalb von 3 Monaten gelernt wobei uns die Schule sehr gut unterstützt hat.

Meine große Tochter hatte aber schon Eingewöhnungsprobleme!

 

Sie hat schon immer auf neue Situationen mit vielen Wutanfällen zu Hause reagiert. Das war in Moskau nicht anders. Ein gutes Jahr hat es gedauert, dann hatte ich das Gefühl, dass sie wirklich angekommen war. Die nächsten 4,5 Jahre liefen immer besser und es gab keine großen Umstellungen mehr. Sie hat sich sehr wohl gefühlt und viele gute Freunde gefunden. Dennoch hatte sie immer den Wunsch, zurück nach Deutschland zu ziehen. Die kleine Tochter war schon immer unkomplizierter und sie war auch noch nicht so verwurzelt in Deutschland.

Der Umzug nach Istanbul lief sehr reibungslos. Es gab keine Sprachprobleme und die Stadt und Kultur ist den Kindern bekannt, da wir oft bei unseren Verwandten hier in Urlaub waren. Natürlich vermissen sie ihre Freunde, aber viele sind sowieso inzwischen aus Moskau weggezogen.

In der jetzigen Schule sind zwischen 17 und 20 Schüler in einer Klasse untergebracht. In Moskau gab es in der Primary School auch zusätzlich zum Lehrer einen Teaching Assistant. Die maximale Klassengrösse ist 22.

Sowohl die Schule in Moskau als auch die hier in Istanbul sind Profit Schools, was bedeutet, dass es einen Eigentümer gibt.

 

Das war vor allem in Moskau ein großes Problem, denn die Facilities und das Essen waren katastrophal. Mit jedem Jahr haben wir uns mehr geärgert. Nur die guten Lehrer und die angenehme Atmosphäre haben uns nicht wechseln lassen. In Istanbul ist es nicht ganz so schlimm: die Schule, vor allem der nationale Teil, hat einen sehr guten Ruf. Dieser Ruf ist extrem wichtig in Istanbul und die Facilities und das Essen sind wesentlich besser. Daher haben wir hier nicht das Gefühl, dass der Eigentümer sich bereichert. Das war in Moskau anders.

Die Lehrer sind oft sehr jung, weil sie nach der Ausbildung gern Auslandserfahrung sammeln möchten. Das macht sich natürlich in manchen Bereichen bemerkbar. Es gibt jedes Jahr viele Wechsel und oft bleiben die Lehrkräfte nur 2-3 Jahre und ziehen dann weiter. Es gibt aber auch sehr erfahrene Lehrer, die international viel Erfahrung gesammelt haben. Diese Lehrer sind sehr professionell und wissen mit den unterschiedlichen Kulturen umzugehen. Die Eltern sind in der jetzigen Schule gerne gesehen, was in der Schule in Moskau ein wenig anders war.

Beide Schulen folgen dem IB-Programm (International Baccalaureate) bzw. dem PYP (International Baccalaureate Primary Years Programme) Die Britische Schule war natürlich sehr britisch, die jetzige Schule ist durch die Herkunft der Lehrer eher amerikanisch geprägt. Beide folgen außerdem dem Cambrigde IGCSE Programm in der Middle School. Die High School bietet außerdem einen türkischen Zweig an. Sehr kompliziert alles, man muss sich gründlich einlesen.……

Wie beurteilt Ihr das Curriculum im Vergleich zum deutschen System? Seid Ihr zufrieden?

 

Mir gefällt das IB bzw. PYP wesentlich besser als das deutsche System. Ich mag den Ansatz, mit den sogenannten Units of Inquiry und dass die einzelnen Themen sich durch sämtliche Fächer ziehen. Die Kinder lernen sehr früh selbst zu recherchieren und sich und ihre Arbeiten zu präsentieren. Sie bekommen die Fakten nicht einfach so serviert und es geht viel um Persönlichkeitsentwicklung. Ich mag das sehr. Nachteil ist, dass in den ersten Schuljahren relativ langsam beispielsweise in Mathe vorgegangen wird. Bei einem Wechsel auf eine deutsche Schule müssten meine Kinder da viel nacharbeiten.

In der Schule in Istanbul gibt es auch einen Learning Support während des Unterrichts und man kann Tutoring nach der Schule in Anspruch nehmen, falls es nötig ist.

Gibt es etwas, was Du anderen Eltern bei der Wahl der Schule unbedingt empfehlen würdest?

 

Hört auf’s Bauchgefühl. Überlegt genau, was Euch wichtig ist. Hört nicht auf Andere. Meiner Erfahrung nach haben die Eltern, vor allem aus anderen Kulturen oft ganz andere Schwerpunkte. Die indischen Eltern sind beispielsweise sehr ehrgeizig und wollen viele Punkte im Curriculum abgearbeitet sehen. Ich wiederum stehe auf dem Standpunkt, dass die Schule den Kindern vor allem Neugierde und Freude am Lernen vermitteln muss. Sie muss den Kindern beibringen, Fragen zu stellen und wie sie Antworten finden können. Heutzutage ist alles Wissen nur ein paar Klicks entfernt. Für mich muss die Schule den richtigen Umgang damit vermitteln und viel Wert auf Persönlichkeitsentwicklung legen. Andere Eltern sehen das ganz anders und machen zusätzliche Aufgaben mit ihren Kindern, oft damit sie bei der Rückkehr den Anschluss nicht verlieren.

Ich finde, man sollte der Schule vertrauen! Insbesondere dann, wenn es eine Internationale Schule ist. Internationale Schulen haben meist sehr gute Erfahrungen mit Expat Kindern und deren Problemen.  Und vor allem vertraue ich meinen Kindern, dass sie es schaffen, egal wohin unser Weg noch geht.

Wir bleiben hoffentlich noch einige Zeit in Istanbul, so dass die Kinder auf der Internationalen Schule ihren Abschluss machen können. Eine Rückkehr nach Deutschland wäre sicher schwierig. Doch wie schon erwähnt,  vertraue ich meinen Kindern und fände es auch nicht schlimm, wenn sie bei einem Wechsel nach Deutschland möglicherweise ein Jahr verlieren würden.

Liebe Katja, vielen lieben Dank für Deine Offenheit, die sicherlich vielen Familien helfen wird, eine der wichtigsten Entscheidungen mit gutem Gewissen zu treffen.