Willst Du wirklich mit mir shoppen gehen?

Da ich ja in meinem Blogartikel „Meine ganz persönliche kleine Schwäche so wunderbar und blumig über DAS Shopping Event des Jahres geschrieben habe, will ich Euch heute mal über meinen abenteuerlichen Gang in den Supermarkt und die Shopping Mall in Bogota schreiben. Nehmt mir die spitze Art des Schreibens nicht übel, so ermöglicht sie mir doch das Ganze mit einer gewissen Art des Humors zu ertragen.

Aber fangen wir doch beim Schuhe kaufen an: Um es kurz zu machen, meine Schuhgröße gibt es hier nicht und mein Kindheitstrauma verpasst durch meine Mutter, dass es für meine riesen Quatratlatschen schwierig sei Schuhe zu finden, lebt doch da direkt wieder auf. Dabei liegt meine Grösse unterhalb der 42. Aber nichts zu machen. Hier sind alle Frauen zierlich, kurvig und klein mit höchstens Schuhgröße 36. Wie süss. Diese Grösse hat meine Tochter auch bald. Mit 8 Jahren!

Also verlassen wir schnell wieder das Schuhgeschäft mit den entsetzten Gesichtern der Verkäuferinnen, die die Frage nach meiner Grösse noch nicht so ganz verdaut haben.

Versuchen wir doch eine Hose für mich zu finden. Als mittel hochgewachsene Europäerin stellt sich auch das schwierig dar. Hier gibt es oft nur Hosen für maximal 1,65 m große Frauen. Alles darüber ist sicherlich auch zu finden, doch dafür reicht mein Insiderwissen noch nicht.
Aber das wirklich schlimmste für mich in den Geschäften ist die Penetranz der Verkäufer. Sobald ich den ersten Schritt in das Ladenlokal getan habe, stürzt sich direkt jemand auf mich und fragt, womit er helfen kann. Inzwischen kann ich zwar auch auf Spanisch freundlich sagen, dass ich mich nur mal umsehen möchte, aber sobald die Verkäufer clever festgestellt haben, für welche Art Kleidungsstück ich mich interessiere, kleben sie wieder an mir und loben die Vorteile dieses Kleidungsstücks und eilen mit Alternativen heran.
In der Regel verlasse ich genervt nach dem dritten „Anmachversuch“ jedes Geschäft.

Leider lässt sich jedoch der wöchentliche Lebensmitteleinkauf nicht aufschieben oder gar vermeiden. Noch bevor ich den Laden allerdings wirklich betrete, werden mir schon kleine Kaffeebecher (Cafecitos) zum kostenlosen testen bzw. probieren angeboten. Was ich daran interessant finde sind die Frauen im Sportdress, die anscheinend nach ihrem morgendlichen Work out aus dem um die Ecke gelegenen Fitness Center direkt hierher kommen und  sich hier im „Steh-Kaffee“ zum Abschlussklönen treffen. Sollte ich jemals eine Liste schreiben, wie sich in Bogota Geld sparen lässt, komme ich auf jeden Fall darauf zurück.

Beim Hundefutter angekommen, will ich schon meinen „Sack“ in den Wagen stellen, da kommt die nächste Verkäuferin auf mich zugerannt. Sie sagt, den Sack bräuchte ich doch nicht in meinen Wagen stellen. Sie könne ihn doch auch direkt an die Kasse liefern. Also, Bitte schön.
Beim Fleisch aus dem Kühlregal habe ich auch keine Zeit so richtig mir was auszusuchen, denn die nächste eifrige Verkäuferin fragt mich schon, was ich denn haben wolle.
Sie benennt alle Hühnersorten und deren Eigenschaften. Fragt mich nach der Herstellermarke die ich favorisiere und holt das erste Mal wirklich Luft, als sie merkt, dass ich nur ungefähr ein Drittel von dem was sie gesagt hat, verstanden habe.
Seitdem jedoch, ignoriert mich diese Verkäuferin und ich muss das Bluttriefende Fleisch selbst aus dem Regal nehmen und in eine dafür vorgesehene extra Tüte packen. Nicht das Schlechteste.

Inzwischen habe ich hier sogar eine Käsesorte entdeckt, die mir schmeckt. Der spanische Iberico. Und das wunderbare daran ist, dass dieser meist schon abgepackt in der Käsetheke liegt und ich keine nette Konversation mit Verkäufern eingehen muss. Nur irgendwie finde ich den Iberico heute nicht so richtig und hebe sämtliche abgepackten Stückchen an um mit etwas Glück den Namen des Käses lesen zu können. Und schwups, beugt sich die Käse Dame über den Tresen und weist mich freundlich darauf hin, dass ich nicht alles durcheinander bringen müsse – sie könne mir auch helfen. Wie nett. Als ich meinen Käse dann gefunden habe, bekomme ich noch mit, wie sie ihrer Kollegin zuzischt, dass diese Ausländer sich doch einfach nicht benehmen können.

Bevor ich zur Kasse gehen, lade ich mir noch ein paar Flaschen Wein in den Korb um meinen Schmerz über das eben Gehörte bald runterspülen zu können. An der Kasse angekommen, drängelt sich dann auch noch eine Dame mit den Worten vor, sie sei Kolumbianerin und ich Ausländerin. Daher hätte sie das Vorrecht vor mir an die Kasse zu gehen. Wenns mir nicht passen würde, könnte ich ja in mein Land zurück gehen.

Ich überlege schon, den Wein schon direkt hier auf zu machen, doch da verteidigt mich die Dame hinter mir und weist ihre Landesfrau erstmal gehörig zurecht.

Nachdem ich meine Einkäufe dann aufs Band gelegt habe, sagt die Kassiererin dann mit traurigem Blick zu mir : „Que pena con usted, pero no es posible que compran el vino.“ Ach ja, in den meisten Geschäften darf man sich erst nach 10 Uhr morgens betrinken. Es ist allerdings erst 10 Minuten vor 10 und so darf der Wein noch nicht verkauft werden.

Aber was jetzt folgt, hebt meine Laune doch auch jedesmal erherblich: Es ist quasi das Highlight meines Einkaufs und ich bin nach wie vor immernoch fasziniert von dieser extremen Langsamkeit beim Kassieren und dem anschliessenden Sortieren meiner Lebensmittel. Hier werden nämlich nicht nur alle Einkäufe von der Kassierin direkt in Tüten gepackt, nein, hier werden auch noch die Sachen sortiert:  Wurst zu Wurst, Spülmittel zum Waschmittel und Fleisch zu Fleisch.
Als die Kasserierin nach einer Ewigkeit mit diesem Prozedere fertig ist, schiebt sie noch mein gekauftes Stück Leberwurst über den Scanner. Dann läuft sie aufgeregt zu mir und sucht in den bereits gepackten und mit Knoten verschlossenen Tüten nach der Frischware. Damit ich es beim Auspacken ganz einfach habe und die Dinge für den Kühlschrank auch in einer Tüte zusammen gepackt sind, erklärt sie lächelnd.  Um meine einzige Flasche Küchenreiniger wird auch noch eine Tüte gepackt und diese dann verschlossen. So kann ich wenigstens die Aufschrift auf der 100sten Tüte in meinem Einkaufskorb deutlich lesen : „Si el planeta quieres cuidar, menos bolsas debes usar.“ Heist soviel wie, wenn Du den Planeten schützen willst, dann benutze so wenig Tüten wie möglich. Ja, das befolgen die hier ja wie verrückt.

Wie schon erwähnt gibt es in Kolumbien noch kein schwedisches Möbelhaus und so gibt es für mich auch leider kein weiteres Highlight beim Shoppen.

So allerdings nicht für meinen Mann: denn, als wir zuletzt in einem Möbelhaus nach einem neuen Esstisch gesucht haben, stürzte sich diese Dame direkt auf ihn. Fraglich war in diesem Moment für mich, ob sie wirklich Möbel verkaufen will oder doch das Aushängeschild für die plastische Chirugie des Landes war. Immerhin ein Highlight, wenn auch nicht für mich!

 

Möbelfrau