Das kann doch alles nicht wahr sein! Doch, ich schwör!!

“Life might be difficult for a while, but I would tough it out because living in a foreign country is one of those things that everyone should try at least once. My understanding was that it completed a person, sanding down the rough provincial edges and transforming you into a citizen of the world.” – David Sedaris, Me Talk Pretty One Day

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Also, was mir in den letzten zwei Monaten so passiert ist, ist irgendwie so gar nicht das, womit ich in Kolumbien gerechnet hätte. Und so irgendwie hab ich mich auf die falschen Dinge emotional als auch gedanklich vorbereitet. Und irgendwie habe ich mit ganz anderen Dingen zu kämpfen, als das, was ich vielleicht so von Kolumbien erwartet oder befürchtet hatte.

Und ich glaube, genau das ist das Problem: irgendwie liegen die Schwierigkeiten des Alltags ganz weit entfernt von Sicherheits- und Drogenproblemen.

Seit ungelogen 16 Monaten klappt das Bezahlen von Rechnungen nicht und das, obwohl wir ja zahlen wollen und können. Zahlungen zu leisten, ist soooo kompliziert und weil alle immer so misstrauisch sind, muss man überall persönlich aufrauschen. Selbst um die Anschrift für die Rechnung zu ändern. Das wollte ich nämlich tun. Allerdings nicht für mich, sondern für meine bessere Hälfte. Ausgestattet mit einer Ausweiskopie meines Mannes und einer entsprechenden Vollmacht wurde ich abgewiesen. Adressänderung ist ja auch sowas von bedenklich. Ist nur persönlich möglich.

Wenn ich also die letzten 8 Wochen mal zusammenfasse, dann klingt das in etwa so:

 

Anfang Juli zogen wir innerhalb Bogotas in ein neues Haus um.  Hier würde ich gerne einfügen, dass wir in eine der besten Wohngegenden Bogotas mit angeblich den besten Häusern gezogen sind. Das erwähne ich nicht um anzugeben, sondern weil sonst vielleicht bei der nachfolgenden Geschichte der Eindruck entstehen könnte, dass wir in irgendeine Hütte mit mangelhafter Ausstattung gezogen seien. Was wir beim Umzug wollten, war  ein Haus auf europäischem Standard und Familien aus der Schule unserer Kinder als Nachbarn. Ein Grossteil wohnt nämlich auch hier.
Bei der Hausübergabe funktionierten nun manche Dinge im Haus nicht oder nur bedingt und es wurde im Hand Over Protokoll die baldige Reparatur festgehalten. Leider nicht vom Vermieter unterschrieben, was uns später zum Verhängnis wurde.

Unter anderem sollte die Dunstabzugshaube in der Küche repariert werden, doch nachdem etliche Leute bei uns zwecks Kostenvoranschlag über Wochen bei uns ein und aus gegangen waren, erhielten wir die Nachricht von unserem Vermieter, dass er die Reparatur nicht übernehmen würde, da ihm die Kosten zu hoch seien (sie beliefen sich auf 10% der monatlichen Miete).

Er argumentierte damit, dass die Belüftung der Küche so gut sei, dass wir auch gut ohne die Dunstabzugshaube auskommen könnten und eigentlich war sie ja eh nur zu Dekozwecken angebracht worden.
Ohne Witz! Das waren seine Worte!

Leider stellten wir auch fest, dass die Tür zum Garten sich nicht mehr öffnen liess weil das Schloss total verrostet war und ich fragte mich schon, ob die Tür wohl auch nur zur Zierde eingebaut wurde, da das Haus ja so viele Fenster hat?! Aber Spass bei Seite. Die Reparatur wollte der Vermieter auch nicht zahlen mit der Begründung, dass beim Einzug  das Schloss noch in Ordnung gewesen sei.

Also dachten wir, gut, dann reparieren wir die Dinge auf eigene Kosten und mindern dann die Miete. Leider ist das in Kolumbien nicht erlaubt und könnte ein Grund sein, verklagt zu werden. Wir, nicht der Vermieter.
Dann ziehen wir eben aus, dachten wir. Geht hier leider auch nicht so einfach, weil Mietverträge grundsätzlich für ein Jahr geschlossen werden und eine exorbitante Strafzahlung fällig wird, sollten wir vor Ablauf des ersten Jahres ausziehen.
Aufgrund der Vergangenheit Kolumbiens sind Verträge hier auch kaum durch Anwälte auflösbar, schliesslich ist Kolumbien so stolz darauf, sich an Gesetze bzw. Verträge zu halten.

Aber weiter im Alltag:

 

Es klingelt an der Haustür und der Reinigungsmann bringt mir den gereinigten Anzug meines Mannes zurück. Während ich den Anzug nach oben trage, versuche ich noch mein Karma zu verbessern und denke aufheiternd, wie herrlich doch die Service Gesellschaft in Kolumbien ist. Es gibt jede Menge Door to Door Services, die den Alltag doch so erleichtern…..

Ja erleichtern, wäre da nicht…….

Es klingelt erneut. Warum meldet der Guard eigentlich die Besucher nicht telefonisch an? , frage ich mich. Es ist der Wasserheini, der wissen will, ob ich neue abgefüllte Wassergaleonen brauche. Na der kommt ja wie gerufen. Positiv sein, wegen dem Karma!

Als er schon am Gehen dranne ist (ein Hoch auf meinen sauerländischen Jargon an dieser Stelle) ruft er mir noch zu, ich solle mal gucken, ob der Hörer meines Haustelefons richtig aufgelegt sei. Der Guard hätte ihn nicht bei uns anmelden können, weil das Telefon nicht funktioniere.

Mir schwant Böses.

Und richtig: Das Haustelefon funktioniert nicht und dabei ist es in Kolumbien so wichtig, dass Besucher am Haupteingang angehalten und überprüft werden. Erst dann bekommt man einen Anruf, ob der Besuch durchgelassen werden darf. Ohne Telefon also kein Avis und so kein Besuch. Aus Sicherheitsgründen.
Wir riefen also beim Provider des Haustelefon an. Der verwies uns auf die Administration unseres Compounds und der wiederum auf den Provider. Immer so weiter. Das Haustelefon lag brach, ungefähr 4 Wochen. Teilweise fand uns die Telefongesellschaft nicht im System und teilweise meinte sie, dass sie bei uns in der Gegend gar keinen Service anbieten würden. Komisch nur, dass wir eine separate Internetleitung auch genau bei diesem Anbieter haben, welche einwandfrei funktioniert.

Dann stellte sich heraus, dass die Rechnung tatsächlich nicht bezahlt worden war: der Vermieter war Rechnungsempfänger und irgendwie glaubt er auch hier, dass das Haustelefon nur zur Deko sei.

Ich beschloss, ich brauche Urlaub von diesem Land um mein schon erwähntes Karma wieder in Ordnung zu bringen.

 

Die Herbstferien standen vor der Tür und weil diese nur 1 Woche lang sind, holte ich mir das OK für eine 1-wöchige Verlängerung von der Schule. Ist doch ganz praktisch, wenn die Schule nicht staatlich ist.
Und so klappte ich den Computer auf und googelte die günstigsten Flug-Verbindungen nach Deutschland und fand auch schliesslich einen Air France Flug für Freitags. Ich bat also meinen Mann bei der Bank anzurufen (hier muss man aus Sicherheitsgründen vorab immer Bescheid geben) und einen höheren Betrag für die Bezahlung per Kreditkarte der Flüge freizugeben. Wie ihr merkt, Kreditkartennutzung ist in Kolumbien auch ganz easy und völlig entspannend.
Hier ein Klick und da und ….. meine Kredit-Karte funktionierte nicht. Ich versuchte die meines Mannes- auch nicht! Und obwohl auch das ein Deja-vu war und eigentlich nichts Neues, war es aber der Punkt wo ich verzweifelte.

Sch… aufs Karma.

Diesmal versuchte ich die Telefondistanz durch Schreien ins Telefon zu überbrücken und verlangte, dass mein Mann SOFORT bei der Bank anrief und die Situation klärte. Da ich als Mitgereiste ja nicht Kontoinhaberin sein kann, muss ER  jegliche Angelegenheiten für mich erledigen. Also, was war passiert?
Das so unglaublich gut geschulte Personal der Bank hatte den Betrag für die Kreditkarte  nicht freigegeben, sondern…. die Karten alle gesperrt.

Alle Karten!

Nach diversen Geldschiebereien per online Banking konnte ich dann ein paar Stunden später auch unsere Flüge über unser deutsches Konto bezahlen. So die Theorie. Leider wurde auch hier die Kreditkarte nicht akzeptiert. Oh, mein Karma war anscheinend endgültig ruiniert.

Doch wie sich herausstellte, war dieses Mal alles in Ordnung mit den Kreditkarten. Nur Air France wollte diesen Flug nicht so richtig verkaufen. Wegen andauernder Streiks der Fluggesellschaft, konnten Flüge derzeit ausschliesslich nur telefonisch gebucht und bezahlt werden.
Allerdings war der Flug den ich reserviert hatte, ganz oben auf der Streichungsliste und mir wurde gesagt, dass mit zu 90% iger Wahrscheinlichkeit, dieser Flug nicht stattfinden werde.

Einen alternativ Flug zu buchen kam leider wegen der deutlich höheren Preise nicht in Frage. Und so musste ich hier in Kolumbien mein Karma heilen.

Ein paar Tage später hatten wir kein warmes Wasser, Kohlenmonoxid im Haus und zuletzt wurde uns das Gas aus Sicherheitsgründen abgedreht, damit wir nicht in die Luft fliegen…..

Und Du so? Was ist Deine unglaublichste Geschichte?

 

2 thoughts on “Das kann doch alles nicht wahr sein! Doch, ich schwör!!

  1. Bin gerade auf Deinen Blog durch Zufall gestoßen und musste innerlich öfters mal über deine Erlebnisse grinsen da es mir so bekannt vorkam.
    Ich selber habe von 1994-1995 im Süden Bogotas gelebt und gearbeitet. Seitdem bin ich in Kolumbien vernarrt und es zieht mich immer wieder hin!

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