Willkommen in Kolumbien und womit wir uns in Punkto Sicherheit auseinandersetzen müssen

Es war Ende März in Bangkok. Abend. Es regnete und wir steckten Mitten im Verkehr fest, direkt in der Hauptschlagader der Stadt, der Sukhumvit Road. Auf dem Weg zu einem thailändischen Abendessen mit meinem Mann berichtete er mir von dem letzten Gespräch mit HR in Deutschland und der geplanten Neu-Versendung in ein anderes Land:

„Sie haben mir Kolumbien angeboten.“sagte er und fügte hastig hinzu: „Hab ich natürlich gleich abgelehnt! Wegen Sicherheit und so..!“
Meine Augen wurden gross und ich jappste etwas nach Luft!
„Du hast was?“ ich versuchte meinen Ton zu zügeln, doch unser Fahrer wurde bereits auf unser Gespräch aufmerksam, obwohl er doch die Sprache nicht verstand.
„Ja abgelehnt. War das falsch?“ staunte er.
Da ich auf keinen Fall nach unserem ersten Expat-Jahr wieder nach Deutschland wollte und der Latein-Amerikanische Kontinent mich schon immer reizte war meine Antwort:
“ hmmm, lass uns doch erstmal im Netz gucken wie Kolumbien so ist. Sie würden es Dir doch nicht anbieten, wenn es immernoch so dramatisch gefährlich wäre wie es mal war, oder?“

Und so kam es. Seit August 2014 lautet unsere Adresse,
Bogotá, Kolumbien!

Doch wie leben wir nun?

Was sind unsere Erfahrungen mit der Sicherheit und was steht nicht auf den Seiten der Botschaft?

Die Ein- und Ausfahrt zu unserem Compound

Die Ein- und Ausfahrt zu unserem Compound

Vorab, nein, wir haben keine Gitter vor den Fenstern! Auch nicht im Erdgeschoss. Wir haben uns für ein Haus in einem gesicherten Compound entschieden, welcher etwas ausserhalb der Stadt liegt. Sehr grün, nicht zu gross und nicht zu klein und die Kinder können innerhalb der Mauern 🙂 auch Fahrrad fahren.

Das Thema Entführungen begegnet uns innerhalb der Stadt ebenfalls nicht. Ganz im Gegenteil, uns begnet viel Polizei und hier habe ich wirklich das Gefühl, sie ist mein Freund und Helfer. Sie passen auf uns Einwohner auf und verstehen ihren Beruf auch als eine Art Entwicklungshelfer des Landes. Das gilt für die Verbesserung der Sicherheit und des Sicherheitsgefühls, für die Bekämpfung des Drogenhandels aber auch genauso für Besuche und die Unterstützung von Waisenhäusern und die Pflege und Vermittlung von herrenlosen Hunden und Katzen.
Ja ich bin ein Fan von Ihnen. Korruption ist mir hier noch nicht aufgefallen, so ganz im Gegensatz zu unserem vorherigen Posting.

Und gerade weil die Polizei hier Dein Freund und Helfer ist und ich einen Belgischen Schäferhund haben wollte (um meinen Tag mit Hundetraining und Sport zu füllen) kam es, dass mir die Polizei als Vermittler empfohlen wurde. So sollte ich sicher sein, dass, wenn ich Belgischer Schäferhund kaufe, auch Belgischer Schäferhund drin ist. Da ich allerdings bisher nur wenig Ahnung von Hunden habe, holte ich mir Anfangs auch immer den Rat des Polizei-Hunde-Trainers ein. Inzwischen ist er ein guter Freund unserer Familie und kommt regelmäßig um mir bei der Beschäftigung und dem Training von „Whiskey“ zu helfen.

Aber zurück zum Thema Sicherheit. Mein Sicherheitstraining bekam ich zwar auch nach 8 Monaten ! durch unser Entsendungsunternehmen, aber vorrangig aus erster Hand der Polizei  – unserem Hundetrainer!

Und hier die Punkte,

die weder im Netz zu finden sind und die auch die Kolumbianer selbst nicht gerne ansprechen:

Drogen

Das Thema brennt Euch bestimmt am meisten auf der Seele, oder? Furchterregende Abhängige wie ich sie beispielsweise an diversen Bahnhöfen im Heimatland gesehen habe, sind mir bisher hier noch nicht begegnet.
Da Kolumbien in den letzten Jahren hart und erfolgreich gegen den Handel kämpft, sind die meisten Kartelle nach Mexiko abgewandert. Die Strassenschießerein etc finden nun meist in Mexiko City und nicht mehr in Kolumbien statt. Aber es gibt da dennoch noch ein sehr fieses Thema:

Scopalomina (der youtube Link)
Und hier hört der Spass definitiv auf. Es hört sich an wie ein Ammenmärchen, doch es ist die bittere Realität. Diese Droge wird in Pulverform auf so ziemlich alles gestreut: Geldautomaten, Türgriffe von Autos, Strassenkarten damit Du dann um Rat gefragt werden kannst (die Wirkung des Pulvers setzt bereits schon in einer bestimmten Distanz ein)oder das Pulver wird Dir im Vorbeigehen direkt ins Gesicht gepustet.

Die Wirkung ist ähnlich wie bei K.O. Tropfen, nur dass Du nicht zusammen sackst, sondern ab sofort zu allen Taten freudig bereit bist: Du räumst Dein Konto leer und gibst das Geld freudig ab und/ oder Du nimmst Deine „nette“ Begleitung mit nach Hause und erlaubst Safe und Appartment leer zu räumen. Glaubst Du nicht? Hab ich anfangs auch nicht, bis mir HR dies bestätigte – und unser Hundetrainer-

Was wurde mir also geraten, wenn mir schummrig wird? Mir wurde gesagt, dass ich ca. 2 bis 3 Minuten habe, mich in Sicherheit zu bringen.

Hier was mir geraten wurdet:

  • Geh ins nächste Geschäft, bitte um Hilfe.
  • Oder schliess Dich sofort in Deinem Auto ein.
  • Vorbeugend: Beobachte auf der Strasse immer die anderen Passanten.
  • Kommt Dir irgendwas komisch vor, höre auf Dein Bauchgefühl. Das ist sowieso immer der beste Schutz.
  • Wechsle die Strassenseite oder geh in ein Geschäft und bitte um Hilfe. Jedes Geschäft unterhält ihr Security Personal.

Reisen ins Landesinnere

Kolumbien ist inzwischen auch so sicher, dass wir auch innerhalb des Landes bzw. auf den Strassen verreisen können. Es gibt beispielsweise die wunderschöne und sehenswerte Region des Kaffee-Anbaus. La Zona Cafetera Colombia.

Doch ob wir nun beispielsweise die Fahrt per Auto dorthin machen können, sollen wir vorab mit HR besprechen.

Aus meiner Erfahrung heraus, sagen manche Firmen es sei kein Problem und manche erlauben es nicht.

 

Do not give Papayas

Hiermit ist gemeint, dass wir grundsätzlich auf der Strasse nicht zeigen sollen was wir haben. Also keinen Schmuck, keine Uhr tragen und auch mein Handy soll ich auf der Strasse nicht herausholen. In Shopping Malls kann ich es aber meist wieder benutzen, da hier genügend Security Personal zu finden ist. Es gibt allerdings natürlich Kolumbianer, die vielleicht eine Uhr oder dezenten Schmuck tragen, doch die geraten natürlich auch nicht so schnell ins Visier wie ich als blonde Ausländerin. Ich sehe anders aus und ich kleide mich anders, als die Locals.

Wenn ich auf der Strasse unterwegs bin und ich erhalte einen Anruf, soll ich No Name Kopfhörer auf der Strasse benutzen. Weisse Kopfhörer werden meist mit einem iphone in Verbindung gebracht – und da lohnt der Überfall.

 

Taxis und Tappsi App

Taxis sollen wir nicht auf der Strasse anhalten, da wir bzw. jeder der dort einsteigt, dann als Mitfahrer nirgens registriert und so ein leichtes Opfer ist.

Die Kolumbianer sagen, wenn Du in ein Taxi steigst, bist Du der Gefangene des Fahrers und ein leichtes Opfer.

Oft wird auf die App „Tappsi“ verwiesen, mit der Du Dir online ein Taxi bestellen kannst. Dafür muss ich mich allerdings auf dieser Plattform anmelden und das genau ist hier der Nachteil. Grundsätzlich ist „Tappsi“ ein sicheres Werkzeug um ein Taxi zu bestellen dennoch wurde uns davon abgeraten.

Grund: Die Taxifahrer sammeln Deine Daten!  Sie wissen dann wie ich heisse, dass ich Kinder habe, wo ich wohne, meine Gewohnheiten und vorallem, wann ich nicht zu Hause bin und was meine Hauptbewegungen per Taxi sind. Diese Daten verkaufen sie dann.  Und schon wächst die Gefahr  eines Überfalls.

Aber was tun?

  • Taxis immer telefonisch bestellen. Über die jeweilige Zentrale.
  • Und sollte ich  jemals aus irgendeinem Grund ein Taxi auf der Strasse anhalten, soll ich Fotos von der Registrierkarte des Fahrers machen und zwar so, dass er es mitbekommt.
  • Diese Infos soll ich dann an Freunde etc. verschicken.
  • Das gleiche gilt für die Registriernummer des Taxis. Sie ist meist auch auf der Innenseite der Türen zu finden.

Tja, was hält uns also hier?

Ich weiss es nicht. Es ist natürlich ein limitierteres Leben aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen, aber dennoch fühlen wir uns sicher und vorallem sehr Willkommen. Lieben wir die Gefahr? Nein, ich glaube nicht, aber wir lieben die Menschen hier, die unberührte Natur und vorallem, dass Kolumbien noch nicht im Massentourismus erstickt. Das macht es so besonders und wieder sehr liebenswert.

 

Genauso wie in dem Video empfinde ich dieses herzliche Land! Und ist es nicht immer auch so, dass wir eigentlich besser auf die Leute hören sollten, die ein Land tatsächlich bereist haben? Genauso wie Alexander von Humboldt schon sagte:

„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.“

 

 

 

 

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